Pharmakodynamik
Gonadorelin ist das natürliche Freisetzungshormon (Releasing-Hormon) des Hypothalamus für die beiden Gonadotropine LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon); diese unterhalten die Entwicklung und Funktion der Gonaden. Durch negative Rückkopplung von den Gonaden zu Hypophyse und Hypothalamus schließt sich ein Regelkreis, der die alters- und geschlechtsspezifischen Funktionen der Gonaden ohne Überstimulation aufrechterhält.
Pharmakokinetik bei Kindern
| |
nasale Anwendung |
subkutane Anwendung |
| Tmax [min] |
15 |
15 |
| T1/2 [min] |
5 |
<10 |
[SmPC Kryptocur/Lutrepulse]
Zulassung der Dosierungsempfehlungen
- Ein- und beidseitiger Hodenhochstand
- nasal
- ≥7 Monate bis ≤12 Monate: zugelassen
- Hypothalamische Amenorrhoe, Hypogonadotroper Hypogonadismus, Pubertas tarda
- subkutan
- ≥12 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen
Auszug aus Fachinformation
Auszug aus Fachinformation
Textauszug aus Fachinformation
Nasal zur Behandlung eines ein- und beidseitigen Hodenhochstandes
Kinder ab dem 7. Lebensmonat bis zum 12. Lebensmonat:
Die Tagesdosis beträgt in jedem Fall 1200 Mikrogramm Gonadorelin, unabhängig vom Alter und Körpergewicht: 3 x täglich wird je 1 Sprühstoß in jedes Nasenloch verabreicht. Die einzelnen Anwendungen werden folgendermaßen über den Tag verteilt:
| |
1. Gabe vor dem Frühstück |
2. Gabe vor dem Mittagessen |
3. Gabe vor dem Abendessen |
| Linkes Nasenloch |
1 Sprühstoß |
1 Sprühstoß |
1 Sprühstoß |
| Rechtes Nasenloch |
1 Sprühstoß |
1 Sprühstoß |
1 Sprühstoß |
Die Behandlungsdauer beträgt in jedem Fall 28 Tage, auch wenn ein Erfolg schon vorher eingetreten ist. Gegebenenfalls kann die Behandlung nach 3 Monaten oder später wiederholt werden.
[Ref.]
Subkutan zur Behandlung der Hypothalamischen Amenorrhoe:
- Störung der Ovarialfunktion durch endogenen Gonadorelinmangel; auch relativer Gonadorelinmangel, mit und ohne Beteiligung anderer kausaler Faktoren (Hyperprolaktinämie, Hyperandrogenämie).
- Unterstützung der Lutealfunktion während der Frühschwangerschaft (pulsatile Infusion bis zur Ausbildung der HCG-Sekretion, die für die Unterstützung der Lutealfunktion ausreicht).
Weibliche Jugendliche ab der Pubertät:
Gonadorelin 3,2 mg wird subkutan pulsatil in 90-minütigen Intervallen mit einem empfohlenen Dosisbereich von 5 μg bis 20 μg pro Puls gegeben. Die Anfangsdosis beträgt 5 μg. Eine stufenweise Anpassung der Dosis bis auf 20 μg pro Puls an den Schweregrad der Störung ist möglich. Die Therapie wird ununterbrochen solange durchgeführt, bis der gewünschte Therapieerfolg (Follikelreifung und Ovulation) eingetreten ist.
Subkutan zur Behandlung des Hypogonadotropen Hypogonadismus: Störungen der Hoden- oder Ovarialfunktion durch fehlende Gonadotropinsekretion bei potentiell intakter Hypophyse mit dem Ziel der Pubertätsentwicklung bei Jungen, der Spermatogenese oder Follikelreifung und Ovulation.
Männliche Kinder und Jugendliche vor Beginn oder in der Pubertät:
Gonadorelin 3,2 mg wird subkutan pulsatil in 120-minütigen Intervallen mit einem empfohlenen Dosisbereich von 5 μg bis 20 μg pro Puls gegeben. Die Anfangsdosis beträgt 5 μg. Eine stufenweise Anpassung der Dosis bis auf 20 μg pro Puls an den Schweregrad der Störung ist möglich. Die Therapie wird ununterbrochen solange durchgeführt, bis der gewünschte Therapieerfolg (Pubertätsentwicklung oder Spermatogenese) eingetreten ist.
Weibliche Jugendliche ab der Pubertät:
Gonadorelin 3,2 mg wird subkutan pulsatil in 90-minütigen Intervallen mit einem empfohlenen Dosisbereich von 5 μg bis 20 μg pro Puls gegeben. Die Anfangsdosis beträgt 5 μg. Eine stufenweise Anpassung der Dosis bis auf 20 μg pro Puls an den Schweregrad der Störung ist möglich. Die Therapie wird ununterbrochen solange durchgeführt, bis der gewünschte Therapieerfolg (Follikelreifung und Ovulation) eingetreten ist.
Subkutan zur Behandlung der Pubertas tarda: Die pulsatile Behandlung mit Gonadorelin 3,2 mg kann bei Pubertas tarda zur Einleitung der Pubertätsentwicklung bei Jungen angewendet werden.
Männliche Kinder und Jugendliche vor Beginn der Pubertät:
Gonadorelin 3,2 mg wird subkutan pulsatil in 120-minütigen Intervallen mit einem empfohlenen Dosisbereich von 5 μg bis 20 μg pro Puls gegeben. Die Anfangsdosis beträgt 5 μg. Eine stufenweise Anpassung der Dosis bis auf 20 μg pro Puls an den Schweregrad der Störung ist möglich. Die Therapie wird ununterbrochen solange durchgeführt, bis der gewünschte Therapieerfolg (Pubertätsentwicklung) eingetreten ist.
Nach erfolgter Pubertätsentwicklung muss die Behandlung beim Erwachsenen erneut durchgeführt werden, falls eine normale Spermatogenese erwünscht ist.
[Ref.]
Präparate im Handel
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung 3,2 mg
Nasenspray 200 µg/Sprühstoß
subkutane Anwendung:
Die im Handel befindlichen Präparate als Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung enthalten Gonadorelin in Form von Gonadorelinacetat. Die Angabe der Wirkstoffkonzentration und Dosierung ist jeweils auf Gonadorelinacetat bezogen.
Umrechnung: 2,91 mg Gonadorelin ≙ 3,2 mg Gonadorelinacetat
Präparate im Handel:
| Präparat |
Darreichungsform |
Stärke |
Applikationsweg |
Natriumgehalt |
Problematische Hilfsstoffe |
Anwendungshinweis |
Altersangabe |
| LUTREPULSE |
Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung |
3,2 mg (Gonadorelinacetat) |
subkutan |
"natriumfrei" |
- |
Rekonstitution gemäß Fachinformation. |
Kinder und Jugendliche |
| Kryptocur |
Nasenspray |
200 µg/Sprühstoß (Gonadorelin) |
nasal |
k.A. |
Benzylalkohol |
- |
ab 7 Monaten |
k.A.: keine Angabe, „natriumfrei“: weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Einheit
Die Fachinformationen wurden am 03.08.2026 aufgerufen.
Lieferengpässe/weitere praktische Informationen
Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)
Dosierungsempfehlungen
| Ein- und beidseitiger Hodenhochstand |
- Nasal
-
7 Monate
bis
12 Monate
[2]
-
In jedes Nasenloch:
200
microg./Dosis
(≙ 1 Hub), 3x täglich
|
| Hypothalamische Amenorrhoe, Hypogonadotroper Hypogonadismus, Pubertas tarda |
- Subkutan
-
12 Jahre
bis
18 Jahre
[3]
- Initialdosis:
Gonadorelinacetat:
5
microg./Dosis
- Erhaltungsdosis:
5
- 20
microg./Dosis
|
| Diagnostikum: Funktionsstörungen der Adenohypophyse |
- Intravenös
-
1 Monat
bis
18 Jahre
[1]
-
100
microg./Dosis,
einmalig.
|
Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate
GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.
GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein
Bei subkutaner Anwendung:
Häufig (1-10 %): Thrombophlebitis superficialis, Reaktionen an der Einstichstelle
Gelegentlich (0,1-1 %): ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS)
Selten (0,01-0,1 %): allergische Reaktionen
Sehr selten (<0,01 %): Hypophysenapoplex
Häufigkeit nicht bekannt: Kopfschmerzen, Nausea, Abdominalschmerzen, Menorrhagie, Priapismus
Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Bei nasaler Anwendung:
Häufig (1-10 %): erhöhte Aktivität (einschließlich Schlafstörungen, Unruhe, Agitiertheit)
Häufigkeit nicht bekannt: anaphylaktoide Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock; bei Langzeitanwendung Antikörperbildung, die zum Nachlassen der Wirkung führen kann; Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. Hautreaktionen); Alopezie; bei einem mechanischen Hindernis kann es sowohl spontan als auch unter Hormonbehandlung eines Hodenhochstandes zu einer Hodentorsion kommen, beim Auftreten starker Hodenschmerzen sollte die Behandlung mit Gonadorelin abgebrochen und gegebenenfalls operiert werden; vorübergehende Größenzunahme des Gliedes; Reizung der Nasenschleimhaut und Nasenbluten auf Grund der Anwendung in der Nase
Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Haben Sie den Verdacht auf eine Nebenwirkung?
Die Meldung ist sehr wichtig, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis eines Arzneimittels ständig zu überwachen. Das gilt besonders, wenn Medikamente bei Kindern außerhalb der zugelassenen Anwendung (off-label) eingesetzt werden.
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Kontraindikationen bei Kindern
bei nasaler Anwendung:
- Keine Anwendung bei Früh- und Neugeborenen wegen des Gehalts an Benzylalkohol
[SmPC Kryptocur]
bei subkutaner Anwendung:
- Erkrankungen, die sich durch Geschlechtshormone verstärken können,wie:
– Hypophysenadenome oder andere hormonabhängige Tumoren
– Ovarialzysten
– Anovulation, deren Ursache nicht hypothalamischen Ursprungs ist
– Erkrankungen, die sich durch eine Schwangerschaft verstärken können (z. B. hypophysäres Prolaktinom)
[SmPC Lutrepulse]
Kontraindikationen allgemein
- Überempfindlichkeit gegen Gonadorelin oder einen sonstigen Bestandteile
- Erkrankungen, die sich durch Geschlechtshormone verstärken können, wie: Hypophysenadenome oder andere hormonabhängige Tumoren; Ovarialzysten; Anovulation, deren Ursache nicht hypothalamischen Ursprungs ist
- Erkrankungen, die sich durch eine Schwangerschaft verstärken können (z. B. hypophysäres Prolaktinom)
Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern
bei nasaler Anwendung:
Benzylalkohol kann bei Säuglingen und Kindern bis zu 3 Jahren toxische und anaphylaktoide Reaktionen hervorrufen. Die Behandlung soll ab dem 7. Lebensmonat durchgeführt und idealerweise vor Ablauf des 12. Lebensmonats abgeschlossen sein. Nach dem ersten Lebensjahr sollte keine Hormontherapie mehr durchgeführt werden. [SmPC Kryptocur]
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein
Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.
Wechselwirkungen
Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.
HYPOTHALAMUSHORMONE
In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.
| Somatostatin und Analoga |
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H01CB03
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H01CB02
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| HYPOTHALAMUSHORMONE |
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H01CB03
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H01CB02
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Referenzen
-
Noordam C et al, Werkboek Kinderendocrinologie, digitale publicatie op www.nvk.nl (alleen leden), 2010
-
Cheplapharm Arzneimittel GmbH , SmPC Kryptocur, 3/2024
-
Ferring Arzneimittel GmbH, SmPC Lutrepulse 3,2 mg, 12/2023
Änderungsverzeichnis
- 03 August 2026 10:47: Neue Monographie
Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)
Überdosierung