Gonadorelin

Wirkstoff
Gonadorelin
Handelsname
Lutrepulse, Kryptocur
ATC-Code
H01CA01

Zulassung
Dosierungsempfehlungen

Präparate
Pharmakodynamik und -kinetik
Nierenfunktionsstörungen
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Gonadorelin ist das natürliche Freisetzungshormon (Releasing-Hormon) des Hypothalamus für die beiden Gonadotropine LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon); diese unterhalten die Entwicklung und Funktion der Gonaden. Durch negative Rückkopplung von den Gonaden zu Hypophyse und Hypothalamus schließt sich ein Regelkreis, der die alters- und geschlechtsspezifischen Funktionen der Gonaden ohne Überstimulation aufrechterhält.

Pharmakokinetik bei Kindern

  nasale Anwendung subkutane Anwendung
Tmax [min] 15 15
T1/2 [min] 5 <10

[SmPC Kryptocur/Lutrepulse]

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Ein- und beidseitiger Hodenhochstand
    • nasal
      • ≥7 Monate bis ≤12 Monate: zugelassen
  • Hypothalamische Amenorrhoe
    • subkutan
      • ≥12 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen
  • Hypogonadotroper Hypogonadismus
    • subkutan
      • ≥12 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen
  • Pubertas tarda
    • subkutan
      • ≥12 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen

 

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Nasal zur Behandlung eines ein- und beidseitigen Hodenhochstandes

Kinder ab dem 7. Lebensmonat bis zum 12. Lebensmonat:
Die Tagesdosis beträgt in jedem Fall 1200 Mikrogramm Gonadorelin, unabhängig vom Alter und Körpergewicht: 3 x täglich wird je 1 Sprühstoß in jedes Nasenloch verabreicht. Die einzelnen Anwendungen werden folgendermaßen über den Tag verteilt:

  1. Gabe vor dem Frühstück 2. Gabe vor dem Mittagessen 3. Gabe vor dem Abendessen
Linkes Nasenloch 1 Sprühstoß 1 Sprühstoß 1 Sprühstoß
Rechtes Nasenloch 1 Sprühstoß 1 Sprühstoß 1 Sprühstoß

Die Behandlungsdauer beträgt in jedem Fall 28 Tage, auch wenn ein Erfolg schon vorher eingetreten ist. Gegebenenfalls kann die Behandlung nach 3 Monaten oder später wiederholt werden.

[Ref.]

Subkutan zur Behandlung der Hypothalamische Amenorrhoe: Störung der Ovarialfunktion durch endogenen Gonadorelinmangel; auch relativer Gonadorelinmangel, mit und ohne Beteiligung anderer kausaler Faktoren (Hyperprolaktinämie, Hyperandrogenämie).

Weibliche Jugendliche ab der Pubertät:
Gonadorelin 3,2 mg wird subkutan pulsatil in 90-minütigen Intervallen mit einem empfohlenen Dosisbereich von 5 μg bis 20 μg pro Puls gegeben. Die Anfangsdosis beträgt 5 μg. Eine stufenweise Anpassung der Dosis bis auf 20 μg pro Puls an den Schweregrad der Störung ist möglich. Die Therapie wird ununterbrochen solange durchgeführt, bis der gewünschte Therapieerfolg (Follikelreifung und Ovulation) eingetreten ist.

Subkutan zur Behandlung des Hypogonadotropen Hypogonadismus: Störungen der Hoden- oder Ovarialfunktion durch fehlende Gonadotropinsekretion bei potentiell intakter Hypophyse mit dem Ziel der Pubertätsentwicklung bei Jungen, der Spermatogenese oder Follikelreifung und Ovulation.

Männliche Kinder und Jugendliche vor Beginn oder in der Pubertät: 
Gonadorelin 3,2 mg wird subkutan pulsatil in 120-minütigen Intervallen mit einem empfohlenen Dosisbereich von 5 μg bis 20 μg pro Puls gegeben. Die Anfangsdosis beträgt 5 μg. Eine stufenweise Anpassung der Dosis bis auf 20 μg pro Puls an den Schweregrad der Störung ist möglich. Die Therapie wird ununterbrochen solange durchgeführt, bis der gewünschte Therapieerfolg (Pubertätsentwicklung oder Spermatogenese) eingetreten ist.

Weibliche Jugendliche ab der Pubertät:
Gonadorelin 3,2 mg wird subkutan pulsatil in 90-minütigen Intervallen mit einem empfohlenen Dosisbereich von 5 μg bis 20 μg pro Puls gegeben. Die Anfangsdosis beträgt 5 μg. Eine stufenweise Anpassung der Dosis bis auf 20 μg pro Puls an den Schweregrad der Störung ist möglich. Die Therapie wird ununterbrochen solange durchgeführt, bis der gewünschte Therapieerfolg (Follikelreifung und Ovulation) eingetreten ist.

Subkutan zur Behandlung der Pubertas tarda: Die pulsatile Behandlung mit Gonadorelin 3,2 mg kann bei Pubertas tarda zur Einleitung der Pubertätsentwicklung bei Jungen angewendet werden.

Männliche Kinder und Jugendliche vor Beginn der Pubertät: 
Gonadorelin 3,2 mg wird subkutan pulsatil in 120-minütigen Intervallen mit einem empfohlenen Dosisbereich von 5 μg bis 20 μg pro Puls gegeben. Die Anfangsdosis beträgt 5 μg. Eine stufenweise Anpassung der Dosis bis auf 20 μg pro Puls an den Schweregrad der Störung ist möglich. Die Therapie wird ununterbrochen solange durchgeführt, bis der gewünschte Therapieerfolg (Pubertätsentwicklung) eingetreten ist.
Nach erfolgter Pubertätsentwicklung muss die Behandlung beim Erwachsenen erneut durchgeführt werden, falls eine normale Spermatogenese erwünscht ist.

[Ref.]

Präparate im Handel

Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung 3,2 mg
Nasenspray 200 µg/Sprühstoß

Die im Handel befindlichen Präparate als Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung enthalten Gonadorelin in Form von Gonadorelinacetat. Die Angabe der Wirkstoffkonzentration und Dosierung ist jeweils auf Gonadorelinacetat bezogen.

Umrechnung: 2,91 mg Gonadorelin ≙ 3,2 mg Gonadorelinacetat

Präparate im Handel:

Präparat Darreichungsform Stärke Applikationsweg Natriumgehalt Problematische Hilfsstoffe Anwendungshinweis Altersangabe
LUTREPULSE Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung 3,2 mg (Gonadorelinacetat) subkutan "natriumfrei" - Rekonstitution gemäß Fachinformation. Kinder und Jugendliche
Kryptocur Nasenspray 200 µg/Sprühstoß (Gonadorelin) nasal k.A. Benzylalkohol 3 x täglich wird je 1 Sprühstoß in jedes Nasenloch verabreicht. ab 7 Monaten


k.A.: keine Angabe, „natriumfrei“: weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Einheit

Die Fachinformationen wurden am 12.02.2026 aufgerufen.

Lieferengpässe/weitere praktische Informationen

Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)

Dosierungsempfehlungen

Ein- und beidseitiger Hodenhochstand
  • Nasal
    • 7 Monate bis 12 Monate
      [3]
      • In jedes Nasenloch: 200 microg./Dosis Entspricht 1 Sprühstoß in jedes Nasenloch, 3x täglich (200 microg./Spühstoß)
Hypothalamische Amenorrhoe, Hypogonadotroper Hypogonadismus, Pubertas tarda
  • Subkutan
    • 12 Jahre bis 18 Jahre
      [4]
      • Initialdosis: 5 microg./Dosis
      • Erhaltungsdosis: 5 - 20 microg./Dosis pulsatile Intervalle: 90 Minuten (Mädchen) oder 120 Minuten (Jungen) 
Diagnostikum: Funktionsstörungen der Adenohypophyse
  • Intravenös
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [2]
      • 100 microg./Dosis, einmalig.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Bei subkutaner Anwendung:

Häufig (1-10 %): Thrombophlebitis superficialis, Reaktionen an der Einstichstelle

Gelegentlich (0,1-1 %): ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS)

Selten (0,01-0,1 %): allergische Reaktionen

Sehr selten (<0,01 %): Hypophysenapoplex

Häufigkeit nicht bekannt: Kopfschmerzen, Nausea, Abdominalschmerzen, Menorrhagie, Priapismus

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Bei nasaler Anwendung:

Häufig (1-10 %): erhöhte Aktivität (einschließlich Schlafstörungen, Unruhe, Agitiertheit)

Häufigkeit nicht bekannt: anaphylaktoide Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock; bei Langzeitanwendung Antikörperbildung, die zum Nachlassen der Wirkung führen kann; Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. Hautreaktionen); Alopezie; bei einem mechanischen Hindernis kann es sowohl spontan als auch unter Hormonbehandlung eines Hodenhochstandes zu einer Hodentorsion kommen, beim Auftreten starker Hodenschmerzen sollte die Behandlung mit Gonadorelin abgebrochen und gegebenenfalls operiert werden; vorübergehende Größenzunahme des Gliedes; Reizung der Nasenschleimhaut und Nasenbluten auf Grund der Anwendung in der Nase

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

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Haben Sie den Verdacht auf eine Nebenwirkung?

Die Meldung ist sehr wichtig, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis eines Arzneimittels ständig zu überwachen. Das gilt besonders, wenn Medikamente bei Kindern außerhalb der zugelassenen Anwendung (off-label) eingesetzt werden.

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Kontraindikationen bei Kindern

  • Keine Anwendung bei Früh- und Neugeborenen wegen des Gehalts an Benzylalkohol

[SmPC Kryptocur]

Kontraindikationen allgemein

  • Überempfindlichkeit gegen Gonadorelin oder einen sonstigen Bestandteile
  • Erkrankungen, die sich durch Geschlechtshormone verstärken können, wie: Hypophysenadenome oder andere hormonabhängige Tumoren; Ovarialzysten; Anovulation, deren Ursache nicht hypothalamischen Ursprungs ist
  • Erkrankungen, die sich durch eine Schwangerschaft verstärken können (z. B. hypophysäres Prolaktinom)

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Benzylalkohol kann bei Säuglingen und Kindern bis zu 3 Jahren toxische und anaphylaktoide Reaktionen hervorrufen. Die Behandlung soll ab dem 7. Lebensmonat durchgeführt und idealerweise vor Ablauf des 12. Lebensmonats abgeschlossen sein. Nach dem ersten Lebensjahr sollte keine Hormontherapie mehr durchgeführt werden. [SmPC Kryptocur]

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

HYPOTHALAMUSHORMONE

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Somatostatin und Analoga

Lanreotid

Mytolac, Somatuline Autogel
H01CB03

Octreotid

Sandostatin®
H01CB02
HYPOTHALAMUSHORMONE

Lanreotid

Mytolac, Somatuline Autogel
H01CB03

Octreotid

Sandostatin®
H01CB02

Referenzen

  1. Rademaker C.M.A. et al, Geneesmiddelen-Formularium voor Kinderen, 2007
  2. Noordam C et al, Werkboek Kinderendocrinologie, digitale publicatie op www.nvk.nl (alleen leden), 2010
  3. Cheplapharm Arzneimittel GmbH , SmPC Kryptocur, 3/2024
  4. Ferring Arzneimittel GmbH, SmPC Lutrepulse 3,2 mg, 12/2023

Änderungsverzeichnis

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung