Metoclopramid ist ein zentraler Dopamin2- und Serotonin3-Antagonist. Ferner zeigt es einen peripheren Serotonin4-Agonismus. Zwei Hauptwirkungen können unterschieden werden: 1. ein antiemetischer Effekt und 2. eine beschleunigte Magenentleerung und Dünndarmpassage. Die antiemetische Wirkung wird über einen zentralen Angriffspunkt am Hirnstamm (Chemorezeptoren - Triggerzone des Brechzentrums), durch eine Hemmung dopaminerger Neurone sowie einer Hemmung von Serotonin3-Rezeptoren vermittelt. Die Motilitätssteigerung wird zum Teil ebenfalls von übergeordneten Zentren gesteuert, gleichzeitig spielt aber auch ein peripherer Wirkungsmechanismus über eine Aktivierung von Serotonin4-Rezeptoren und möglicherweise eine Hemmung dopaminerger Rezeptoren des Magens und Dünndarms eine Rolle. Über den Serotonin4-Agonismus sowie über den peripheren Dopamin2-Antagonismus werden indirekte cholinerge Eigenschaften an der Magen Darm-Wand entfaltet.
Die Pharmakokinetik von Metoclopramid bei Kindern (7-14 Jahre, N=9) ist mit der von Erwachsenen vergleichbar ist. Es gehen folgende pharmakokinetische Parameter für Kinder hervor: (Mittelwert ± SEM (Standardfehler)):
| T1/2 [h] | 4,4 ± 0.56 |
| Vd [L/kg] | 3,0 ± 0,38 |
| Cl [L/h/kg] | 0,56 ± 0,10 |
[Bateman et al.]
Lösung zum Einnehmen 1 mg/mL
Tabletten 10 mg
Filmtabletten 10 mg
Injektionslösung 5 mg/mL
Die im Handel befindlichen Präparate enthalten Metoclopramid in Form von Metoclopramidhydrochlorid 1 H2O bzw. Metoclopramidhydrochlorid. Die Angabe der Wirkstoffkonzentration und Dosierung ist auf Metoclopramid, Metoclopramidhydrochlorid oder Metoclopramidhydrochlorid 1 H2O bezogen.
Umrechnung: 8,9 mg Metoclopramid ≙ 10 mg Metoclopramidhydrochlorid ≙ 10,54 mg Metoclopramidhydrochlorid 1 H2O
Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):
| Präparat | Darreichungsform | Stärke | Applikationsweg | Natriumgehalt | Problematische Hilfsstoffe | Anwendungshinweis | Altersangabe |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| MCP-ratiopharm® | Lösung zum Einnehmen | Metoclopramid: 1 mg/mL |
oral | „natriumfrei“ | Methyl-4-hydroxybenzoat (1,8 mg/mL) Propyl-4-hydroxybenzoat (0,2 mg/mL) Saccharin Cyclamat |
Einnahme vor einer Mahlzeit mit ausreichend Flüssigkeit. Ein Abstand von mindestens 6 Stunden zwischen zwei Einnahmezeitpunkten muss eingehalten werden, selbst im Fall von Erbrechen oder Abstoßen der Dosis. | ab 1 Jahr und ≥10 kg |
| MCP-AL | Lösung zum Einnehmen | Metoclopramidhydrochlorid: 1 mg/mL |
oral | „natriumfrei“ | Methyl-4-hydroxybenzoat (1,8 mg/mL) Propyl-4-hydroxybenzoat (0,2 mg/mL) |
ab 9 Jahren und ≥30 kg (aufgrund der Graduierung des Messbechers) | |
| MCP-ratiopharm® | Tabletten | Metoclopramid: 10 mgT2, M0 |
oral | k.A. | - | Einnahme vor einer Mahlzeit, unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit. Ein Abstand von mindestens 6 Stunden zwischen zwei Einnahmezeitpunkten muss eingehalten werden, selbst im Fall von Erbrechen oder Abstoßen der Dosis. | ab 9 Jahren und ≥30 kg |
| Paspertin® | Filmtabletten | Metoclopramidhydrochlorid: 10 mgT2, M0 |
oral | „natriumfrei“ | - | ab 9 Jahren und ≥30 kg | |
| MCP-ratiopharm® SF | Injektionslösung | Metoclopramidhydrochlorid 1 H2O: 5 mg/mL |
intramuskulär intravenös |
„natriumfrei“ | - | Ein Abstand von mindestens 6 Stunden zwischen zwei Anwendungszeitpunkten muss eingehalten werden, selbst im Fall von Erbrechen oder Abstoßen der Dosis. | ab 1 Jahr und ≥10 kg |
T2: teilbar in zwei gleiche Dosen, M0: nicht mörserbar, k.A.: keine Angabe, „natriumfrei“: weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Einheit
Die Fachinformationen wurden am 24.06.2026 aufgerufen.
Neben den aufgeführten Präparaten befinden sich diverse weitere Fertigarzneimittel im Handel.
Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)
| CAVE |
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| Starke Übelkeit und Erbrechen, deren Ursache bekannt ist und bei denen die Behandlung mit anderen Mitteln nicht ausreichend wirksam ist |
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Anpassung bei Nierenfunktionsstörung wie angegeben:
Diese Empfehlung gilt für alle Darreichungsformen.
Bei reduzierter Nierenfunktion wird die Halbwertszeit von Metoclopramid verlängert. Hierdurch erhöht sich das Risiko von Nebenwirkungen: Extrapyramidale Nebenwirkungen können auftreten, bei Kindern bereits bei therapeutischen Dosen.
Extrapyramidale Symptome (akute Dystonie und Dyskinesie, Parkinsonismus, Akathisie) vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen und/oder bei hohen Dosierungen.
Schläfrigkeit, Müdigkeit, Obstipation, Diarrhoe und Spätdyskinesie. Des Weiteren wurde insbesondere bei Neugeborenen Methämoglobinämie, die mit einem NADH Cytochrom b5-Reduktasemangel verbunden sein könnte, verzeichnet.
Bei oraler und intravenöser Anwendung:
Sehr häufig (>10 %): Somnolenz
Häufig (1-10 %): Diarrhö, Asthenie, extrapyramidale Erkrankungen (besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen und/oder wenn die empfohlene Dosis überschritten wird, selbst im Anschluss an die Gabe einer einzigen Dosis des Arzneimittels), Parkinsonismus, Akathisie, Depression
Gelegentlich (0,1-1 %): Amenorrhö, Hyperprolaktinämie, Überempfindlichkeit, Dystonie (einschließlich Sehstörungen und okulogyre Krise), Dyskinesie, getrübter Bewusstseinszustand, Halluzination
Selten (0,01-0,1 %): Galaktorrhö, Krämpfe (besonders bei epileptischen Patienten), Verwirrtheitszustand
Häufigkeit nicht bekannt: Methämoglobinämie (kann in Zusammenhang mit NADH-Cytochrom-b5-Reduktase-Mangel stehen), Sulfhämoglobinämie (hauptsächlich bei gleichzeitiger Gabe hoher Dosen von Schwefel freisetzenden Arzneimitteln), Herzstillstand (der kurz nach Injektion auftritt und der nach einer Bradykardie auftreten kann), atrioventrikulärer Block, QT-Verlängerung im Elektrokardiogramm, Torsade de pointes, Herzrhythmusstörungen in Verbindung mit Tachykardie, Gynäkomastie, Spätdyskinesie (kann während oder nach längerer Behandlung besonders bei älteren Patienten auftreten und bestehen bleiben), malignes neuroleptisches Syndrom, Kopfschmerzen, Schwindel, Angst, Ruhelosigkeit, Schock, Synkope (nach Anwendung als Injektion), akute Hypertonie bei Patienten mit Phäochromozytom, vorübergehender Anstieg des Blutdrucks
Insbesondere bei intravenöser Anwendung:
Häufig (1-10 %): Hypotonie
Gelegentlich (0,1-1 %): Bradykardie
Häufigkeit nicht bekannt: Sinusknotenstillstand, anaphylaktische Reaktion (einschließlich anaphylaktischer Schock)
Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Haben Sie den Verdacht auf eine Nebenwirkung?
Die Meldung ist sehr wichtig, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis eines Arzneimittels ständig zu überwachen. Das gilt besonders, wenn Medikamente bei Kindern außerhalb der zugelassenen Anwendung (off-label) eingesetzt werden.
[SmPC MCP-ratiopharm]
Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Bei Kindern ist Metoclopramid aufgrund des hohen Risikos extrapyramidaler Nebenwirkungen nur bei schwerer Übelkeit und Erbrechen mit bekannter Ursache angebracht, bei denen sich die Behandlung mit anderen Mitteln als nicht ausreichend wirksam erwiesen hat oder nicht möglich ist.
Es ist zu berücksichtigen, dass extrapyramidale Nebenwirkungen bei therapeutischen Dosen und bei Kindern aller Altersklassen auftreten können, auch wenn extrapyramidale Nebenwirkungen vor allem bei Kindern unter 1 Jahr verzeichnet werden. Extrapyramidale Nebenwirkungen verschwinden in der Regel nach Beendigung der Therapie vollständig. Eine symptomatische Therapie kann erforderlich sein. In Studien waren bei kurzzeitiger Anwendung extrapyramidale Nebenwirkungen von keiner klinischen Relevanz.
Ein Abstand von mindestens 6 Stunden zwischen zwei Einnahmezeitpunkten muss eingehalten werden, selbst im Fall von Erbrechen oder Abstoßen der Dosis, um eine Überdosierung zu vermeiden.
Um das Risiko einer schweren Hypotonie zu reduzieren, muss die intravenöse Verabreichung langsam erfolgen (mindestens über 3 Minuten). Bei Fieber nach oder während der Verwendung von Metoclopramid muss muss differentialdiagnostisch ein malignes neuroleptisches Syndrom berücksichtigt werden. Bei Methämoglobinämie muss die Behandlung unverzüglich und permanent gestoppt und geeignete Maßnahmen getroffen werden.
Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.
| Interaktionspartner | Grund | Handlungsempfehlungen |
| Levodopa/dopaminerge Agonisten | Levodopa oder dopaminerge Agonisten und Metoclopramid antagonisieren sich in ihrer Wirkung. | Die gemeinsame Anwendung ist kontraindiziert. |
| Alkohol | Alkohol verstärkt die sedierende Wirkung von Metoclopramid. | Die gemeinsame Anwendung ist zu vermeiden. |
| Arzneimittel, die durch die prokinetische Wirkung von Metoclopramid beeinflusst werden | Aufgrund der prokinetischen Wirkung von Metoclopramid kann sich die Resorption bestimmter Arzneimittel verändern. | - |
| Anticholinergika und Morphinderivate | Anticholinergika sowie Morphinderivate und Metoclopramid antagonisieren sich in ihrer Wirkung auf die gastrointestinale Motilität. | - |
| Zentral dämpfend wirkende Arzneimittel | Die dämpfende Wirkung dieser Arzneistoffe auf das Zentralnervensystem wird durch Metoclopramid verstärkt. | - |
| Neuroleptika | Metoclopramid kann das Auftreten von extrapyramidalen Erkrankungen bei gleichzeitiger Anwendung mit Neuroleptika begünstigen. | - |
| Serotonerge Arzneimittel | Die Anwendung von Metoclopramid mit serotonergen Arzneimitteln wie SSRIs kann das Risiko für das Auftreten eines Serotonin-Syndroms erhöhen. | - |
| Digoxin | Metoclopramid kann die Bioverfügbarkeit von Digoxin verringern. | Eine sorgfältige Beobachtung der Digoxin-Plasmakonzentration ist erforderlich. |
| Ciclosporin | Metoclopramid erhöht die Bioverfügbarkeit von Ciclosporin (Cmax um 46 % und Exposition um 22 %). Die klinische Auswirkung ist unklar. | Eine sorgfältige Überwachung der Ciclosporin-Plasmakonzentration ist erforderlich. |
| Mivacurium und Suxamethonium | Eine Metoclopramid-Injektion kann die Dauer der neuromuskulären Blockade erhöhen (durch Hemmung der Plasma-Cholinesterase). | - |
| CYP2D6-Inhibitoren | Metoclopramidspiegel können bei gleichzeitiger Anwendung mit CYP2D6-Inhibitoren wie Fluoxetin und Paroxetin ansteigen. | Patienen sollten hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen beobachtet werden. |
Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen und einschlägigen Wechselwirkungsdatenbanken zu entnehmen.
In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.
| Prokinetika | ||
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Motilium®
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A03FA03 | |
| PROKINETIKA | ||
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Motilium®
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A03FA03 | |