Somatropin

Wirkstoff
Somatropin
Handelsname
Genotropin®, Humatrope®, Norditropin®, NutropinAq®, Omnitrope®, Saizen®, Zomacton®
ATC-Code
H01AC01

Zulassung
Dosierungsempfehlungen

Präparate
Pharmakodynamik und -kinetik
Nierenfunktionsstörungen
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Bei Kindern mit Mangel an endogenem Wachstumshormon stimuliert Somatropin das Längenwachstum und beschleunigt die Wachstumsrate. Bei Erwachsenen und Kindern steigert Somatropin die Stickstoffretention, stimuliert das Wachstum der Skelettmuskulatur und die Fettmobilisation und sorgt somit für eine normale Körperzusammensetzung. Somatropin wirkt besonders intensiv auf das viszerale Fettgewebe. Neben einer Steigerung der Lipolyse verringert Somatropin die Ablagerung von Triglyceriden in den Fettdepots. Somatropin erhöht die Konzentrationen des IGF-I (Insulin-like Growth Factor-I) sowie des IGFBP-3 (Insulin-like Growth Factor Binding Protein 3) im Serum.

Pharmakokinetik bei Kindern

Die Pharmakokinetik bei Kindern ist mit der bei Erwachsenen vergleichbar. [SmPC NutropinAq] [FDA Humatrope]

Bei Erwachsenen gelten die folgenden pharmakokinetischen Parameter:

Referenz

Dosis (s.c./i.v.)

Cmax (μg/L)

Tmax (h)

Vd (mL/kg)

T½ (h)

SmPC Genotropin; Norditropin; Omnitrope; NutropinAq

s.c.: 0,035 mg/kg

13 - 35

3 - 6

50

2 - 3

SmPC Genotropin; Norditropin; Omnitrope; NutropinAq

s.c.: 5 mg

71 ± 24

2 - 8

50

2 - 3

SmPC Norditropin

i.v.: 33 ng/kg/min

 

 

67,6 ± 14,6

0,35 - 0,40

Bei Kindern gelten die folgenden pharmakokinetischen Parameter:

Referenz

Alter (Jahren)

N

Dosis (s.c., mg/kg/Tag)

Cmax (μg/L)

Tmax (h)

AUC (Intervall)

V/F (L) 

CL/F (L/h)

T½, abs (h)

Houdijk et al. 1997

 16 (Mittelwert)

16

0,022

18,8 (5,8 – 45,7; 95% CI 12,9 – 24,7)
(Mittelwert)

5,3 (2,0 – 9,6; 95% CI 4,0 – 6,6)
(Mittelwert)


158,5 μg·h/L (AUC₀–∞); 50,9–413,0; 95% CI 111–205)
(Mittelwert)

 

 

 

Lundberg et al. 2018

10,1 (1,9 - 15,8) (Median + Range)

87

0,033

21 (Median)

 

464 mU·h/L (16 h) (Median)

 

 

 

Lundberg et al. 2018

10,1 (1,9-15,8)
(Median + range)

41

0,066

34 (Median)

 

865 mU·h/L (16 h) (Median)

 

 

 

Papathanasiou et al. 2021

Gepoolt: Kinder 8,2  (6 – 11) (Mittelwert + Range) N=15 + Erwachsene N=7

22

0,030 – 0,035

 

 

 

28,2 (95% CI 17,1–39,3)

24,7 (95% CI 16,2–33,2)

5.6*

* Berechnet mit ln2/Ka (=0,122)

Bei Kindern bestehen erhebliche interindividuelle Unterschiede in der Pharmakokinetik des Wachstumshormons (GH), während die intraindividuellen Schwankungen weniger ausgeprägt sind. [Houdijk et al. 1997] [Lundberg et al. 2018]
Nach subkutaner Verabreichung kann die Resorption bei Kindern etwas langsamer verlaufen, was zu einem späteren Spitzenkonzentrationswert und aufgrund der Flip-Flop-Kinetik manchmal zu einer längeren scheinbaren Halbwertszeit (5,6 Stunden) führt; die systemische Gesamtexposition bleibt jedoch bei einer gewichtsabhängigen Dosierung vorhersehbar. Laut der PopPK-Studie ist ein erhöhtes Körpergewicht mit einer verringerten dosisnormalisierten GH-Exposition verbunden. Unter Berücksichtigung des Einflusses des Körpergewichts wurden keine zusätzlichen Unterschiede in der Pharmakokinetik zwischen Kindern und Erwachsenen festgestellt. [Papathanasiou et al. 2021]

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Wachstumsstörung aufgrund eines Wachstumhormonmangels (pediatric growth hormone deficiency, GHD), Neugebornenen-Hypoglykämie aufgrund von GH-Mangel
    • subkutan
      • ≥0 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen (Genotropin®, Humatrope®, Norditropin®, NutropinAq®, Omnitrope®, Saizen®) 
  • Wachstumsstörungen infolge eines Prader-Willi-Syndroms
    • subkutan
      • ≥1 Monat bis <18 Jahre: zugelassen (Genotropin®, Omnitrope®)
  • Wachstumsstörungen infolge eines Ullrich-Turner-Syndroms, eines SHOX-Mangels, einer ACAN-Mutation oder eines Noonan-Syndroms
    • subkutan
      • ≥4 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen (Genotropin®, Humatrope®, Norditropin®, NutropinAq®, Omnitrope®, Saizen®)
  • Wachstumsstörungen infolge einer chronischen Niereninsuffizienz
    • subkutan
      • ≥1 Monat bis <18 Jahre: zugelassen (Genotropin®, Humatrope®, Norditropin®, NutropinAq®, Omnitrope®, Saizen®)
  • Wachstumsstörungen infolge des Silver-Russel-Syndroms
    • subkutan
      • ≥1 Monat bis <18 Jahre: zugelassen (Humatrope®)
  • Wachstumsstörungen bei Kindern infolge einer intrauterinen Wachstumsverzögerung (SGA = Small Gestational Age), das Kabuki-Syndrom oder eine GHSR-Mutation)
    • subkutan
      • ≥4 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen (Genotropin®, Humatrope®, Norditropin®, Omnitrope®, Saizen®)

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Parenteral bei Wachstumsstörung durch unzureichende Sekretion von Wachstumshormon (Wachstumshormonmangel, WHM) bei Kindern

Kinder:

  • Im Allgemeinen wird eine Dosierung von 0,025-0,035 mg/kg Körpergewicht pro Tag oder 0,7-1,0 mg/m² Körperoberfläche pro Tag empfohlen. Auch höhere Dosen sind angewendet worden.
  • Wenn ein WH-Mangel bereits während der Kindheit festgestellt wurde und ins Jugendalter hinein andauert, sollte die Behandlung mit dem Ziel fortgesetzt werden, eine vollständige körperliche (somatische) Entwicklung zu erreichen (z. B. Körperzusammensetzung, Knochenmasse).

[Ref.]

Parenteral bei Behandlung eines Prader-Willi-Syndroms zur Verbesserung des Wachstums und der Körperzusammensetzung bei pädiatrischen Patienten

Kinder:

  • Im Allgemeinen wird eine Dosierung von 0,035 mg/kg Körpergewicht pro Tag oder 1,0 mg/m² Körperoberfläche pro Tag empfohlen.
  • Die tägliche Dosis von 2,7 mg sollte nicht überschritten werden.
  • Die Behandlung sollte nicht durchgeführt werden bei Kindern mit einer Wachstumsgeschwindigkeit von weniger als 1 cm pro Jahr und wenn die Epiphysenfugen fast geschlossen sind.

[Ref.]

Parenteral bei Wachstumsstörungen beim Ullrich-Turner-Syndrom

Kinder:

  • Eine Dosierung von 0,045 – 0,05 mg/kg Körpergewicht pro Tag oder 1,4 mg/m² Körperoberfläche wird empfohlen.

[Ref.]

Parenteral bei Wachstumsstörungen bei chronischer Niereninsuffizienz

Kinder:

  • Eine Dosierung von 0,045 – 0,05 mg/kg Körpergewicht pro Tag  oder 1,4 mg/m² Körperoberfläche pro Tag wird empfohlen.
  • Höhere Dosen können möglich sein, wenn die Wachstumsgeschwindigkeit zu gering ist.
  • Nach 6-monatiger Behandlung kann eine Dosisanpassung notwendig sein.

[Ref.]

Parenteral bei Kleinwuchs als Folge einer intrauterinen Wachstumsverzögerung (SGA = Small for Gestational Age, Geburtsgewichts- und/oder Geburtslängen-SDS bezogen auf das Gestationsalter unterhalb von – 2,0) bei Kindern mit einem aktuellen Körperhöhen-SDS (Standard Deviation Score) unterhalb von – 2,5 und mehr als 1,0 unterhalb des elterlichen Zielhöhen-SDS, die bis zum Alter von 4 Jahren oder später diesen  Wachstumsrückstand nicht aufgeholt haben (Wachstumsgeschwindigkeits-SDS < 0 im letzten Jahr).

Kinder:

  • Die empfohlene Dosierung beträgt in der Regel 0,035 mg/kg Körpergewicht pro Tag (1 mg/m² Körperoberfläche pro Tag) bis zum Erreichen der Endhöhe.
  • Behandlung sollte nach dem ersten Therapiejahr beendet werden, wenn der SDS der Wachstumsgeschwindigkeit weniger als +1 beträgt.
  • Behandlung sollte beendet werden, wenn die Wachstumsgeschwindigkeit <2 cm/Jahr beträgt und, falls eine Bestätigung erforderlich ist, das Knochenalter >14 Jahre (Mädchen) oder >16 Jahre (Jungen) ist, was einem Schluss der epiphysären Wachstumsfugen entspricht.

[Ref.]

Parenteral bei Behandlung von Kindern mit einem SHOX-Mangel

Kinder und Jugendliche:

  • Die empfohlene Dosis beträgt 0,045 – 0,050 mg/kg Körpergewicht/Tag als subkutane Injektion.

[Ref.]

Parenteral bei Wachstumsstörung aufgrund eines Noonan-Syndroms

Kinder

Die empfohlene Dosis beträgt 0,066 mg pro kg Körpergewicht pro Tag, allerdings können in bestimmten Fällen 0,033 mg pro kg Körpergewicht pro Tag ausreichend sein. Die Behandlung sollte zum Zeitpunkt des Epiphysenschlusses beendet werden.

[Ref.]

Präparate im Handel

Injektionslösung in einer Patrone für SurePal5, SurePal10 und SurePal15 5 mg/1,5 mL, 10 mg/1,5 mL, 15 mg/1,5 mL
Injektionslösung in einer Patrone für NutropinAq Pen 10 mg /2 mL 
Injektionslösung in einer Patrone für den easypod- oder den aluetta Pen Autoinjektor 6 mg/Patrone, 12 mg/Patrone, 20 mg/Patrone
Injektionslösung in einem Fertigpen 5 mg/1,5 mL, 10 mg/1,5 mL, 15 mg/1,5 mL
Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung in einer Durchstechflasche 2,08 mg/mL, 4,17 mg/mL, 8,33 mg/mL
Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung in einer Zweikammerpatrone für den Genotropin Pen 5 bzw. Pen 12 oder GoQuick-Fertigpen 5 mg/mL, 12 mg/mL
Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung in einer Einmalspritze 0,2 mg, 0,4 mg, 0,6 mg, 0,8 mg, 1,0 mg, 1,2 mg, 1,4 mg, 1,6 mg, 1,8 mg, 2,0 mg

Hinweis: Eine Übersicht an Biologika, zu denen es Original-/Referenzarzneimittel und Biosimilar gibt findet sich in der Anlage VIIa der Arzneimittel-Richtlinie.

Parenterale Anwendung

Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):

Präparat Darreichungsform Stärke (Somatropin) Applikationsweg Natriumgehalt Problematische Hilfsstoffe Altersangabe
Omnitrope® Injektionslösung in einer Patrone für SurePal5, SurePal10 und SurePal15 5 mg/1,5 mL
10 mg/1,5 mL
15 mg/1,5 mL
s.c. natriumfrei 5 mg/1,5 mL: Benzylalkohol
10 mg/1,5 mL: Phenol
15 mg/1,5 mL: Phenol
siehe Zulassung
NutropinAq Injektionslösung in einer Patrone für NutropinAq Pen 10 mg/2 mL s.c. natriumfrei Phenol
Polysorbat 20
Saizen® Injektionslösung in einer Patrone für aluetta Pen oder easypod-Autoinjektor 5,83 mg/mL (6 mg/Patrone)
8 mg/mL (12 oder 20 mg/Patrone)
s.c. natriumfrei Phenol, Sucrose
Norditropin® FlexPro® Injektionslösung in einem Fertigpen 5 mg/1,5 mL
10 mg/1,5 mL
15 mg/1,5 mL
s.c. natriumfrei Phenol
HUMATROPE® für Pen Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung 6 mg (nach Rekonstitution: 2,08 mg/mL)
12 mg (nach Rekonstitution: 4,17 mg/mL)
24 mg (nach Rekonstitution: 8,33 mg/mL)
s.c. natriumfrei -
Genotropin® Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung in einer Patrone für den Genotropin Pen 5 und Genotropin Pen 12 5 mg/Patrone (nach Rekonstitution: 5 mg/mL)
12 mg/Patrone (nach Rekonstitution: 12 mg/mL)
s.c. natriumfrei -
Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionlösung im GoQuick-Fertigpen
Genotropin® MiniQuick Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung in einer Einmalspritze nach Rekonstitution:
0,2 mg/Patrone
0,4 mg/Patrone
0,6 mg/Patrone
0,8 mg/Patrone
1,0 mg/Patrone
1,2 mg/Patrone
1,4 mg/Patrone
1,6 mg/Patrone
1,8 mg/Patrone
2,0 mg/Patrone
s.c. natriumfrei -

 

„natriumfrei“: weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Einheit

Die Fachinformationen wurden am 16.06.2025 aufgerufen.

Neben den aufgeführten Präparaten befinden sich diverse weitere Fertigarzneimittel im Handel.

Anwendungshinweis: Abwechslung der Injektionsstelle, um eine Lipoatrophie zu vermeiden.

Lieferengpässe/weitere praktische Informationen

Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)

Hinweis

  • Die Dosis sollte individuell festgelegt und schrittweise gemäß dem klinischen/biochemischen Ansprechen angepasst werden.
  • Verabreichung der Dosis abends vor dem Schlafengehen.
  • Die Diagnose und Behandlung mit Somatropin sollte von fachärztlichem Personal eingeleitet und überwacht werden, das in der Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Wachstumsstörungen entsprechend qualifiziert und erfahren ist.
  • Beachte: Somatropin und langwirksame Präparate sind nicht direkt austauschbar.

Dosierungsempfehlungen

Gehe zu:

Wachstumsstörung aufgrund eines Wachstumshormonmangels (pediatric growth hormone deficiency, GHD), Neugeborenen-Hypoglykämie aufgrund von GH-Mangel
  • Subkutan
    • 0 Jahre bis 18 Jahre
      [4] [24] [26]
      • Initialdosis: 0,025 - 0,035 mg/kg/Tag in 1 Dosis

Wachstumsstörungen infolge eines Prader-Willi-Syndroms
  • Subkutan
Wachstumsstörungen infolge eines Ullrich‑Turner‑Syndroms, eines SHOX‑Mangels, einer ACAN‑Mutation oder eines Noonan‑Syndroms
Wachstumsstörungen infolge einer chronischen Niereninsuffizienz
  • Subkutan
    • 1 Monat bis 18 Jahre
      [2] [3] [4]
      • Initialdosis: 0,049 mg/kg/Tag in 1 Dosis

Wachstumsstörung infolge des Silver-Russell-Syndroms
  • Subkutan
    • 1 Jahr bis 4 Jahre
      [31] [40] [42] [43] [44]
      • Initialdosis:0,035 mg/kg/Tag in 1 Dosis

        Ab einem Alter von 4 Jahren werden diese Kinder unter der Indikation SGA behandelt.

         

Wachstumsstörungen bei Kindern infolge einer intrauterinen Wachstumsverzögerung (SGA = Small for Gestational Age), das Kabuki-Syndrom oder eine GHSR-Mutation

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Häufig (1 - 10 %): Arthralgie, Reaktionen an der Einstichstelle

Gelegentlich (0,1 - 1 %): Leukämie*, benigne intrakranielle Hypertension, Parästhesie, Ausschlag, Pruritus, Urtikaria, Myalgie, Arthralgie, Parästhesie, Gynäkomastie, periphere Ödeme, Karpaltunnel-Syndrom

Häufigkeit nicht bekannt: Diabetes mellitus Typ 2, Kopfschmerzen, Steifheit im Bewegungsapparat, Gesichtsödem, verminderter Serumcortisolspiegel

*Berichtet bei Kindern mit Wachstumshormonmangel unter Somatropin-Behandlung, jedoch ist die Häufigkeit des Auftretens vergleichbar mit der bei Kindern ohne Wachstumshormondefizit.

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (>10 %): Arthralgie, periphere Ödeme

Häufig (1-10 %): Parästhesie, Karpaltunnelsyndrom, Myalgie, Steifheit im Bewegungsapparat

Gelegentlich (0,1-1 %): Gynäkomastie

Häufigkeit nicht bekannt: Diabetes mellitus Typ 2, benigne intrakranielle Hypertension, Kopfschmerzen, Ausschlag, Pruritus, Urtikaria, Gesichtsödem, Reaktionen an der Einstichstelle, verminderter Serumcortisolspiegel

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen bei Kindern

  • geschlossene Epiphysenfuge (bei Anwendung zur Verbesserung der Körperhöhe)
  • Bei Kindern mit einer chronischen Nierenerkrankung muss die Behandlung mit Somatropin im Falle einer Nierentransplantation abgebrochen werden [SmPC Norditropin® FlexPro®, SmPC Saizen]

Kontraindikationen allgemein

  • etwaige Anzeichen für eine Tumoraktivität 
  • aktive intrakranielle Tumore
  • noch nicht abgeschlossene Antitumorbehandlungen
  • Patienten mit Komplikationen infolge einer akuten kritischen Erkrankung nach großen operativen Eingriffen am offenen Herzen bzw. im Abdominalbereich
  • Polytrauma
  • akute respiratorische Insuffizienz

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

  • Die Behandlung mit Somatropin kann zu einer Senkung des Serumcortisolspiegels führen (aufgrund der Hemmung der Umwandlung von Cortison in Cortisol). Ein zuvor nicht diagnostizierter zentraler (sekundärer) Hypoadrenalismus kann festgestellt werden, und eine Glucocorticoid-Ersatztherapie kann erforderlich sein.
  • Eine Hypothyreose kann sich während der Behandlung entwickeln und eine unbehandelte Hypothyreose kann das Ansprechen auf Somatropin verringern. Die regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenfunktion ist empfehlenswert. Bei Bedarf sollten Schilddrüsenhormone ergänzt werden.
  • Vor und während der Therapie ist eine fundoskopische Untersuchung auf das Vorliegen einer Stauungspapille durchzuführen, insbesondere bei starken oder wiederkehrenden Kopfschmerzen, Sehstörungen, Übelkeit und/oder Erbrechen. Liegt eine Stauungspapille vor, ist die Existenz einer gutartigen intrakraniellen Hypertension (Pseudotumor cerebri) zu erwägen und bei Bedarf die Therapie mit Wachstumshormonen zu unterbrechen. Bei Wiederaufnahme der Therapie ist eine sorgfältige Kontrolle erforderlich.
  • Während der Behandlung sind auf Symptome einer Glukoseintoleranz zu achten, da Somatropin die Insulinsensitivität reduzieren kann. Bei Patienten mit Diabetes mellitus kann eine Anpassung der Insulindosis nach Beginn der Behandlung mit Somatropin erforderlich sein. Die Behandlung mit Somatropin ist nicht indiziert bei Diabetikern mit aktiver proliferativer oder schwerer nicht-proliferativer Retinopathie.
  • Bei anhaltenden Ödemen oder starken Parästhesien ist die Dosis zu reduzieren, um die Entwicklung eines Karpaltunnelsyndroms zu vermeiden.
  • Falls es zu keinem Therapieansprechen kommt, sollten Antikörper gemessen und bei einem Anstieg der Titer die Bindungskapazität bestimmt werden.
  • Bei einer kleinen Anzahl von Kindern mit Wachstumshormonmangel wurde über Leukämie berichtet. Es liegen jedoch keine Hinweise dafür vor, dass die Inzidenz von Leukämie bei mit Wachstumshormon behandelten Patienten ohne prädisponierende Faktoren erhöht ist (z. B. Bestrahlung des Kopfes). Bei Patienten nach in der Kindheit überstandener Krebserkrankung wurde bei Behandlung mit Somatropin über ein erhöhtes Risiko einer zweiten Neoplasie, berichtet. Diese Zweittumoren waren am häufigsten intrakranielle Neoplasien, insbesondere Meningeome, nach Bestrahlung des Kopfes zur Behandlung der ersten Neoplasie. Im Falle der vollständigen Remission einer bösartigen Erkrankung ist nach Beginn der Behandlung mit Wachstumshormon sorgfältig auf ein mögliches Rezidiv zu achten.
  • Bei Wachstumshormonmangel aufgrund einer intrakraniellen Läsion ist regelmäßig auf ein Fortschreiten der Erkrankung zu untersuchen.
  • Epiphysenlösung des Oberschenkelkopfs (Epiphyseolysis capitis femoris) und Legg-Calvé-Perthes-Krankheit wurden bei Kindern beobachtet. Es ist auf beginnendes Hinken und Hüft- oder Knieschmerzen während der Somatropin-Behandlung zu achten.
  • Beim Auftreten von Bauchschmerzen bei Kindern ist das Risiko einer Pankreatitis zu beachten. 
  • Während der Behandlung ist auf Anzeichen einer Skoliose zu achten, da diese bei Kindern mit schnellem Längenwachstum voranschreiten kann.
  • Eine erhöhte Sterblichkeit im Vergleich zu Placebo wurde bei Patienten mit akut lebensbedrohlichen Zuständen aufgrund von Komplikationen bei Operationen am offenen Herzen, Bauchoperationen, multiplen Traumata durch einen Unfall oder akutem Atemversagen nachgewiesen, die mit hohen Dosen von Somatropin (5,3-8 mg/Tag) behandelt wurden. Die Sicherheit einer fortgesetzten Wachstumshormon-Supplementierung bei gleichzeitiger akuter lebensbedrohlicher Erkrankung ist nicht erwiesen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Glucocorticoiden Hemmung des wachstumsfördernden Effekts, Hemmung der Umwandlung von Kortison in Kortisol bei einer ungenügenden ACTH-Ausschüttung ist die Dosierung bei einer Glucocorticoid-Substitution sorgfältig anzupassen
Androgenen, Östrogenen oder Anabolika Hemmung des wachstumfördernden Effekts durch Beschleunigen der Knochenreifung ggf. sind höhere Dosen Somatropin notwendig

 

Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen und einschlägigen Wechselwirkungsdatenbanken zu entnehmen.

HYPOPHYSENVORDERLAPPENHORMONE UND ANALOGA

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

ACTH

Tetracosactid

Synacthen®
H01AA02
Somatropin und Somatropinrezeptoragonisten

Lonapegsomatropin

Skytrofa®
H01AC09

Mecasermin

Increlex®
H01AC03

Somapacitan

Sogroya®
H01AC07

Somatrogon

Ngenla®
H01AC08
HYPOPHYSENVORDERLAPPENHORMONE UND ANALOGA

Lonapegsomatropin

Skytrofa®
H01AC09

Mecasermin

Increlex®
H01AC03

Somapacitan

Sogroya®
H01AC07

Somatrogon

Ngenla®
H01AC08

Tetracosactid

Synacthen®
H01AA02

Referenzen

  1. Pfizer BV, SmPC Genotropin (RVG 15790), 05/2024
  2. Eli Lily Nederland BV, SmPC Humatrope (RVG 17070), 07/2021
  3. Novo Nordisk BV, SmPC Norditropin (RVG 105180), 05/2021
  4. Hexal, SmPC Omnitrope 5 mg/1,5 ml_10 mg/1,5 ml_15 mg/1,5 ml Injektionslösung (EU/1/06/332/013), 12/2022
  5. Ipsen, SmPC NutropinAq 10 mg/2 ml (30 I.E.) Injektionslösung (EU/1/00/164/003,EU/1/00/164/004, EU/1/00/164/005), 02/2021
  6. Novo Nordisk, SmPC Norditropin FlexPro 5 mg/1,5 ml_10 mg/1,5 ml_15 mg/1,5 ml Injektionslösung in einem Fertigpen (78464.00.00, 78465.00.00, 78466.00.00), 09/2023
  7. Pfizer, SmPC Genotropin 5 mg/ml/ 12 mg/ml Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung (49530.00.00), 05/2024
  8. Pfizer, SmPC Genotropin MiniQuick Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung (40007.00.00), 05/2024
  9. Lilly, SmPC Humatrope für Pen 6 mg/12 mg/24 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung (31247.00.00, 31247.01.00, 31247.02.00), 07/2021
  10. Merck, SmPC Saizen 5,83 mg/ml Injektionslösung (78822.00.00), 10/2023
  11. Merck, SmPC Saizen 8 mg/ml Injektionslösung (78823.00.00), 10/2023
  12. De Schepper J, et al., Growth hormone therapy in pre-pubertal children with Noonan syndrome: first year growth response and comparison with Turner syndrome. , Acta Paediatr. , 1997 , 86(9), 943-6
  13. Ipsen Pharma , SPC NutropinAq (EU/1/00/164/003, EU/1/00/164/004, EU/1/00/164/005) 16-02-2006
  14. Pfizer bv , SPC Genotropin (RVG 15790, RVG 25480) 10-05-2024, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  15. Lundberg E, et al., Broad variability in pharmacokinetics of GH following rhGH injections in children., Growth Horm IGF Res. , 2018, 40, 61-8
  16. Ipsen Pharma , SPC Norditropin (EU/1/00/164/003, EU/1/00/164/004, EU/1/00/164/005) 16-02-2006, www.geneesmiddeleninformatiebank.nl
  17. Houdijk E. C, et al., Pharmacokinetics and pharmacodynamics of recombinant human growth hormone by subcutaneous jet- or needle-injection in patients with growth hormone deficiency. , Acta Paediatr. , 1997, 86(12), 1301-7
  18. Schott D.A, et al., Growth Hormone Therapy in Children with Kabuki Syndrome: 1-year Treatment Results. , Horm Res Paediatr. , 2017, 88(3-4), 258-64
  19. Jeong I, et al., Long-term efficacy of recombinant human growth hormone therapy in short-statured patients with Noonan syndrome., Ann Pediatr Endocrinol Metab. , 2016, 21(1), 26-30
  20. Eli Lilly, FDA Humatrope, 07-2025
  21. Papathanasiou T, et al. , Pharmacokinetics and Pharmacodynamics of Once-Daily Growth Hormone Norditropin(®) in Children and Adults., Clin Pharmacokinet. , 2021, 60(9), 1217-26
  22. Noordam C, et al., Growth hormone treatment in children with Noonan's syndrome: four year results of a partly controlled trial. , Acta Paediatr. , 2001 , 90(8), 889-94
  23. Noordam C, et al., Growth hormone (GH) secretion in children with Noonan syndrome: frequently abnormal without consequences for growth or response to GH treatment. , Clin Endocrinol (Oxf). , 2001, 54(1), 53-9
  24. Castets S, et al., Diagnosis and management of congenital hypopituitarism in children. , Front Pediatr. , 2024, 31(3), 165-171
  25. Punt L.D, et al., Loss-of-Function GHSR Variants Are Associated With Short Stature and Low IGF-I. , J Clin Endocrinol Metab. , 2025, 110(5)
  26. Bosch I, et al. , Congenital Hypopituitarism During the Neonatal Period: Epidemiology, Pathogenesis, Therapeutic Options, and Outcome., Front Pediatr., 2021
  27. Noordam K, et al., The relationship between clinical severity of Noonan's syndrome and growth, growth hormone (GH) secretion and response to GH treatment. , J Pediatr Endocrinol Metab., 2002, 15(2), 175-80
  28. Aouchiche K, et al., Growth hormone treatment outcomes in children with genetic isolated growth hormone deficiency., Eur J Pediatr. , 2025, 184(12)
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Änderungsverzeichnis

  • 30 Juni 2025 10:15: Überprüfung und Aktualisierung
  • 11 März 2021 13:16: Indikationen mit gleichen Dosierungen wurden zusammengefasst.
  • 11 März 2021 13:16: Aktualisierung

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung