Belimumab

Wirkstoff
Belimumab
Handelsname
Benlysta®
ATC-Code
L04AG04

Zulassung
Dosierungsempfehlungen

Präparate
Pharmakodynamik und -kinetik
Nierenfunktionsstörungen
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Belimumab ist ein monoklonaler Antikörper, der an das Protein BLyS (B lymphocyte stimulator) bindet und dieses hemmt. BLyS verhilft B-Lymphozyten zu einer längeren Lebensdauer. Belimumab reduziert folglich die Lebensdauer von B-Lymphozyten und die Entzündung und Organschädigungen bei SLE.

Pharmakokinetik bei Kindern

Die pharmakokinetischen Parameter von verabreichtem Belimumab basieren auf einer populationspharmakokinetischen Analyse von 25 Patienten aus einer Phase-II-Pharmakokinetik-Studie mit pädiatrischen SLE-Patienten, die Belimumab subkutan erhielten, und der Phase-II-Studie mit pädiatrischen SLE-Patienten, die Belimumab intravenös erhielten. 

Die durchschnittliche Steady-State-Konzentration nach subkutaner Verabreichung bei Kindern ist vergleichbar mit der nach subkutaner Verabreichung bei Erwachsenen (200 mg s.c.) und intravenöser Verabreichung bei Kindern (10 mg/kg i.v.).
Simulierte PK-Parameter im Steady State:

  Altersgruppe Dosis Cmax (µg/mL)
subkutan 5 - 18 Jahre; ≥50 kg 200 mg/Dosis 1 x wöchentlich 124
5 - 18 Jahre; 30–<50 kg 200 mg/Dosis alle 10 Tage 114
5 - 18 Jahre; 15–<30 kg 200 mg/Dosis alle 2 Wochen 119
intravenös 5 - 11 Jahre 10 mg/kg 305
12 - 18 Jahre 10 mg/kg 317

[SmPC Benlysta]

Zulassung der Dosierungsempfehlungen

  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE), der nicht auf konventionelle Therapie anspricht
    • intravenös
      • ≥5 Jahre bis <18 Jahre: zugelassen
    • subkutan
      • ≥5 Jahre (≥15kg): zugelassen

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Intravenös als Zusatztherapie bei Patienten ab 5 Jahren mit aktivem, Autoantikörperpositivem systemischem Lupus erythematodes (SLE), die trotz Standardtherapie eine hohe Krankheitsaktivität (z. B. positiver Test auf Anti-dsDNA-Antikörper und niedriges Komplement) aufweisen 

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Belimumab bei Kindern unter 5 Jahren wurde nicht nachgewiesen. Es liegen keine Daten vor.

Das empfohlene Dosierungsschema für Kinder ab 5 Jahren lautet 10 mg/kg Belimumab an den Tagen 0, 14 und 28 sowie anschließend alle 4 Wochen.

[Ref.]

Subkutan als Zusatztherapie bei Patienten ab 5 Jahren mit aktivem, Auto- antikörper-positivem systemischem Lupus erythematodes (SLE), die trotz Standard- therapie eine hohe Krankheitsaktivität (z. B. positiver Test auf Anti-dsDNA-Antikörper und niedriges Komplement) aufweisen

Kinder und Jugendliche (im Alter von 5 bis unter 18 Jahren):

Körpergewicht Empfohlene Dosis
≥ 50 kg 200 mg einmal wöchentlich
30 bis < 50 kg 200 mg alle 10 Tage
15 bis < 30 kg 200 mg alle 2 Wochen

[Ref.]

Präparate im Handel

Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats 120 mg, 400 mg
Injektionslösung im Fertigpen 200 mg/Pen

Präparate im Handel (ausgewählte Beispiele):

Präparat Darreichungsform Stärke (Belimumab) Applikationsweg Natriumgehalt Problematische Hilfsstoffe Anwendungshinweis Altersangabe
Benlysta 120 mg/400 mg Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats 120 mg/Ampulle
400 mg/Ampulle
(nach Rekonstitution: 80 mg/mL)
i.v. natriumfrei Sucrose,
Polysorbat 80
Verabreichung als intravenöse Infusion innerhalb einer Stunde nach Rekonstitution und Verdünnung.
Nicht als intravenöser Bolus verabreichen.
ab 5 Jahren
Benlysta 200 mg Injektionslösung im Fertigpen 200 mg/Pen s.c. natriumfrei Polysorbat 80 In den Bauch oder Oberschenkel injizieren. ab 5 Jahren


„natriumfrei“: weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Einheit

Die Fachinformationen wurden am 19.01.2026 aufgerufen.

Lieferengpässe/weitere praktische Informationen

Lieferengpässe für Humanarzneimittel in Deutschland (ohne Impfstoffe)

Hinweis

- Bei der Umstellung der i.v. auf eine s.c. Gabe:  1. s.c. Injektion 1–4 Wochen nach der letzten i.v. Gabe.
- S.c. Gabe: Falls Injektionstag geändert werden soll, die neue Dosis am gewünschten Wochentag verabreichen. Im neuen Zeitplan fortfahren, auch wenn das Dosierungsintervall vorübergehend weniger als eine Woche beträgt.


Dosierungsempfehlungen

Systemischer Lupus erythematodes (SLE), der nicht auf konventionelle Therapie anspricht
  • Intravenös
    • ≥ 5 Jahre
      [1]
      • 10 mg/kg/Dosis an Tag 0, 14 und 28 und danach alle 4 Wochen.
      • Behandlungsdauer:

        Wenn nach 6 Monaten der Behandlung keine Besserung eintritt, sollte ein Abbruch der Behandlung in Erwägung gezogen werden.

        • Infusion über 1 Stunde
        • Die Verabreichung von Belimumab kann zu schweren oder lebensbedrohlichen Überempfindlichkeits- und Infusionsreaktionen führen. Patienten sollten einige Stunden nach der Verabreichung klinisch überwacht werden. Vor der intravenösen Infusion kann prophylaktisch ein Antihistaminikum, mit oder ohne Antipyretikum, gegeben werden.
  • Subkutan
    • 5 Jahre bis 18 Jahre und 15 bis 30 kg
      [1]
      • 200 mg/Dosis alle 2 Wochen.
    • 5 Jahre bis 18 Jahre und 30 bis 50 kg
      [1]
      • 200 mg/Dosis alle 10 Tage.
    • 5 Jahre bis 18 Jahre und ≥ 50 kg
      [1]
      • 200 mg/Dosis 1 x wöchentlich.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Infektionen werden auch bei Kindern als häufigste Nebenwirkung berichtet.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (>10 %): Bakterielle Infektionen (z.B. Bronchitis, Harnwegsinfekt)

Häufig (1-10 %): virale Gastroenteritis, Pharyngitis, Nasopharyngitis, virale Infektion der oberen Atemwege, Leukopenie, Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich Anaphylaxie), Depression, Migräne, Reaktionen an der Injektionsstelle (nur s.c.), Urtikaria, Ausschlag, Schmerzen in den Extremitäten, infusions- oder injektionsbezogene systemische Reaktionen, Fieber, Diarrhö, Übelkeit

Gelegentlich (0,1-1 %): anaphylaktische Reaktion, Suizidverhalten, Suizidgedanken, Angioödem

Selten (0,01-0,1 %): nicht-akute Überempfindlichkeitsreaktionen vom verzögerten Typ

Die vollständige Auflistung aller unerwünschter Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

Neben Überempfindlichkeiten gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil sind keine weiteren Gegenanzeigen bekannt.

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Beachte: Rote-Hand-Brief vom 27.03.2019 (erhöhtes Risiko für schwerwiegende psychiatrische Ereignisse (Depression, suizidale Gedanken, suizidales Verhalten oder Selbstverletzung)): Bei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes (SLE), die in klinischen Studien zusätzlich zu ihrer Standardtherapie Belimumab erhalten hatten, wurde ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende psychiatrische Ereignisse beobachtet. Ärzte sollten vor der Verordnung das Risiko für Depressionen, Suizidgedanken, suizidales Verhalten oder Selbstverletzung unter Berücksichtigung der medizinischen Vorgeschichte und der aktuellen psychiatrischen Verfassung gründlich bewerten. 

Für allgemeingültige Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen informieren Sie sich bitte in den aktuellen Fachinformationen.

Wechselwirkungen

Interaktionspartner Grund Handlungsempfehlung
Lebendimpfstoffe Erhöhtes Infektionsrisiko gegenüber der attenuierten Erreger bei gleichzeitiger Immunsuppression. Kombination vermeiden. Die Patienten sollen, soweit möglich, vor Beginn der Behandlung mit den Biologika alle Impfungen nach den geltenden Impfempfehlungen erhalten.
Allergenextrakte zur Hyposensibilisierung Verringerte Wirkung der Hyposensibilisierung möglich. Kombination vermeiden. Solange eine Immunsuppression anhält, sollte keine Hyposensibilisierung begonnen werden.
Saccharomyces cerevisiae (boulardii) In Einzelfällen: Fungämien und generalisierte Hefeinfektionen. Kombination vermeiden. Patienten mit geschwächter Immunabwehr infolge immunsuppressiver Behandlung dürfen keine Arzneimittel mit Trockenhefe aus Saccharomyces cerevisiae (boulardii) erhalten.
Immunmodulatoren, z.B. Ozanimod, Siponimod, Ocrelizumab Gesteigerte immunsuppressive Wirkung. Falls Kombination unvermeidbar, ggf. Dosis anpassen und Monitoring auf gesteigerte Infektneigung.


Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen und einschlägigen Wechselwirkungsdatenbanken zu entnehmen.

IMMUNSUPPRESSIVA

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Selektive Immunsuppressiva

Abatacept

Orencia®
L04AA24

Apremilast

Otezla®
L04AA32

Baricitinib

Olumiant®
L04AA37

Leflunomid

Arava®
L04AA13

Mycophenolatmofetil

Cellcept®, Myfenax®, Mowel®, Myclausen; Syn: MMF, Mycophenolat, Mycophenolsäure
L04AA06

Teriflunomid

Aubagio®
L04AA31

Upadacitinib

Rinvoq®
L04AA44
Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha)-Inhibitoren

Adalimumab

Humira®, Imraldi®, Halimatoz®, Hefiya®, Hulio®, Hyrimoz®, Idacio®, Amsparity®
L04AB04

Etanercept

Enbrel® , Benepali® , Erelzi®
L04AB01

Golimumab

Simponi®
L04AB06

Infliximab

Remicade®, Inflectra®, Remsima®, Zessly®, Flixabi®
L04AB02
Interleukin-Inhibitoren

Anakinra

Kineret®
L04AC03

Basiliximab

Simulect®
L04AC02

Canakinumab

Ilaris®
L04AC08

Ixekizumab

Taltz®
L04AC13

Satralizumab

Enspryng®
L04AC19

Secukinumab

Cosentyx®
L04AC10

Tocilizumab

RoActemra®
L04AC07

Ustekinumab

Fymskina, Imuldosa, Otulfi, Stelara®
L04AC05
Calcineurin-Inhibitoren

Ciclosporin A

Sandimmun®, Immunosporin, Syn: CSA, Cyclosporin
L04AD01

Tacrolimus

Advagraf®, Prograf®, Modigraf®, Crilomus®, Envarsus®, Dailiport®, Tacni®, Tacpan®, Tacro-cell®
L04AD02
Andere Immunsuppressiva

Azathioprin

Azafalk®, Imurek, Jayempi
L04AX01

Methotrexat

Lantarel®, Metex®, Nordimet®, Trexject®; Syn: MTX; weitere ATC-Codes: M01CX01, L01BA01
L04AX03
IMMUNSUPPRESSIVA

Abatacept

Orencia®
L04AA24

Adalimumab

Humira®, Imraldi®, Halimatoz®, Hefiya®, Hulio®, Hyrimoz®, Idacio®, Amsparity®
L04AB04

Anakinra

Kineret®
L04AC03

Apremilast

Otezla®
L04AA32

Azathioprin

Azafalk®, Imurek, Jayempi
L04AX01

Baricitinib

Olumiant®
L04AA37

Basiliximab

Simulect®
L04AC02

Canakinumab

Ilaris®
L04AC08

Ciclosporin A

Sandimmun®, Immunosporin, Syn: CSA, Cyclosporin
L04AD01

Eculizumab

Soliris®
L04AJ01

Etanercept

Enbrel® , Benepali® , Erelzi®
L04AB01

Everolimus

Afinitor®, Certican®, Votubia®
L04AH02

Fingolimod

Gilenya®
L04AE01

Golimumab

Simponi®
L04AB06

Infliximab

Remicade®, Inflectra®, Remsima®, Zessly®, Flixabi®
L04AB02

Ixekizumab

Taltz®
L04AC13

Leflunomid

Arava®
L04AA13

Methotrexat

Lantarel®, Metex®, Nordimet®, Trexject®; Syn: MTX; weitere ATC-Codes: M01CX01, L01BA01
L04AX03

Mycophenolatmofetil

Cellcept®, Myfenax®, Mowel®, Myclausen; Syn: MMF, Mycophenolat, Mycophenolsäure
L04AA06

Ravulizumab

Ultomiris®
L04AJ02

Ritlecitinib

Litfulo®
L04AF08

Satralizumab

Enspryng®
L04AC19

Secukinumab

Cosentyx®
L04AC10

Sirolimus

Rapamune®
L04AH01

Tacrolimus

Advagraf®, Prograf®, Modigraf®, Crilomus®, Envarsus®, Dailiport®, Tacni®, Tacpan®, Tacro-cell®
L04AD02

Teriflunomid

Aubagio®
L04AA31

Tocilizumab

RoActemra®
L04AC07

Tofacitinib

Xeljanz®
L04AF01

Upadacitinib

Rinvoq®
L04AA44

Ustekinumab

Fymskina, Imuldosa, Otulfi, Stelara®
L04AC05
Sphingosin-1-phosphat (S1P)-Rezeptor-Modulatoren

Fingolimod

Gilenya®
L04AE01
Janus-assoziierte Kinase (JAK)-Inhibitoren

Ritlecitinib

Litfulo®
L04AF08

Tofacitinib

Xeljanz®
L04AF01
Mammalian target of rapamycin (mTOR)-Kinase-Inhibitoren

Everolimus

Afinitor®, Certican®, Votubia®
L04AH02

Sirolimus

Rapamune®
L04AH01
Komplement-Inhibitoren

Eculizumab

Soliris®
L04AJ01

Ravulizumab

Ultomiris®
L04AJ02

Referenzen

  1. GlaxoSmithKline (Ireland) Limited, SmPC Benlysta (EU/1/11/700/001) Rev 39, www.ema.europa.eu, 07-10-2025
  2. GlaxoSmithKline (Ireland) Limited, SmPC Benlysta 120 mg / 400 mg Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats (EU/1/11/700/001), 07/2025
  3. GlaxoSmithKline (Ireland) Limited, SmPC Benlysta 200 mg Injektionslösung im Fertigpen/in einer Fertigspritze (EU/1/11/700/003), 07/2025

Änderungsverzeichnis

  • 19 Januar 2026 10:50: Neuer Applikationsweg (s.c.) gemäß Zulassung hinzugefügt
  • 27 September 2021 17:40: Neue Monographie

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung